„Wunderland” - wer assoziert da nicht sofort „Alice” ? Zumindest der Titel ist kaum jemanden unbekannt, viele haben wohl auch den Zeichentrick-Film gesehen, einige vielleicht sogar Lewis Carrolls Erzählung gelesen.
Dass er diese eigentlich für ein Kind von 10 Jahren verfasste, mag uns heute verwundern, denn manche Anspielung des Textes erschließt sich einem Kind in diesem Alter noch kaum. So hat er denn seit seiner ersten Erscheinung 1865 unter dem Titel Alice Adventures in Wonderland immer auch die Erwachsenen angezogen.
Da diese aber - leider - nur selten zum bloß kindlichen Vergnügen eintauchen in diese Wunderwelt, begann man bald, Carrols Geschichten zu hinterfragen und in vielfältiger Richtung zu deuten. Man sezierte den Text auf seine Symbole hin, um herauszufinden, welche biographischen oder gar psychoanalytischen Interpretationsansätze sich dahinter verbargen, hatte ihn doch ein alternder verschrobener Jungeselle einem kleinen reizenden Mädchen gewidmet.
Weniger spekulativ und sensationslüstern waren dagegen die Betrachtungen über den Logiker und Mathematiker Carroll, der seiner Profession Ausdruck verlieh in scheinbar aberwitzigen Zahlenspielereien und mathematischen Rätseln.
Seine Vorliebe für Wortspiele und Nonsenseverse durchzieht den Text und kommt oft in so rascher Folge daher, dass der Leser oder Betrachter vielleicht zunächst nur verwundert lächelt und erst im Nachhinein manche Doppeldeutigkeiten wahrnimmt.
Da der Text von den Interaktionen seiner skurrilen Wesen mit der Hauptfigur lebt, hat er schon früh und immer wieder zu Dramatisierungen herausgefordert. Manche Fassung geht dabei sehr frei mit der Vorlage um, kürzt unnachsichtig oder kombiniert mit Elementen aus der zweiten Erzählung Alice hinter den Spiegeln.
Uns lag weder eine moderne Pop-Variante am Herzen, noch wollten wir Nähe zum Disney-Verschnitt. Deshalb orientiert sich die von mir dramatisierte Fassung recht eng an Carrolls Text, streicht behutsam oder fügt Dialoge hinzu, wo die Erzählung sie nicht hergibt. Die Idee, die Hauptfigur, im Titel nur mit „A.” abgekürzt, unkonventionell zu besetzen, kam aus der Reihen der Spieler, die so jeglichen Anklang an Disneys Blondchen von vorneherein ausschließen wollten.
Zu einem absoluten Unikat aber wird diese Inszenierung wieder einmal erst dadurch, das unser „Hauskomponist” Konstantin Voigt seine musikalischen Ideen beisteuerte und mit einem ungewöhnlich besetzten Live-Ensemble die menschliche „Neigung zum Absurden” unterstützt, die „das geheimnisvolle Königreich der Kinder” auch dem Erwachsenen öffnet. (A.Breton über Alice im Wunderland)