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  Von Hammerzehen und Ohrwürmern
Ken Campbells „Mr.Pilks Irrenhaus“ wurde am Altdorfer Leibniz-Gymnasium aufgeführt
aus "Der Bote" vom 07.04.2014
 
 
Foto: F.E.Walter

 
ALTDORF - Die Theatergruppe des Leibniz-Gymnasiums inszeniert elf kurzweilige Szenen aus „Mr. Pilks Irrenhaus“ des britischen Autors Ken Campbell. Letzte Aufführung ist am Dienstag, 8.April, um 20 Uhr.

Miss Maguire (Antonia Lutz) verzweifelt am Hammerzeh ihrer Mutter (Lisa Zerna). Dieser treibe sie in den Wahnsinn, jammert die junge Frau der Ärztin vor: Jeden Abend, wenn sie versuche, ein Buch zu lesen, würden ihre Augen hypnotisch von diesem verkrümmten Zeh angezogen! Die Medizinerin, gespielt von Alena Oberste-Schemmann, grübelt angestrengt. Für eine Operation des Zehs sei die Mutter zu alt. Ihr falle darum nur eine Methode ein: die Sprengung!

Der britische Schauspieler und Theaterregisseur Ken Campbell hat in „Mr. Pilks Irrenhaus“ 17 schwarzhumorige Anekdoten dieses Kalibers gesammelt. Die Theatergruppe des Leibniz-Gymnasiums Altdorf hat elf davon mit viel Fingerspitzengefühl auf die Bühne gebracht.
 

Schwatz mit Selbstmörder

Da hadert ein Mann wortreich mit seinem Bierbauch (voller Körpereinsatz: Jakob Meisel), ein Bettler (Sarah Christl) schwatzt einem Selbstmörder die letzten Habseligkeiten ab (kurzfristig wegen Krankheit eingesprungen: Jan Daumin), zwei Spione (Lutz und Daumin) scheitern an ihrer Geheimsprache und ein Mann (Jacob Albrecht) tarnt seine Notdurft als „Schmetterling“.

Der junge Phelps (Albrecht) lässt sich einen Ohrwurm operativ entfernen (als zupackende Ärztin: Rachel Hoepfner) und die Wohnungsgenossen John und Ken philosophieren über die Echtheit ihres Zuhauses und Sockengestank (Bianca Karsch, Jessica Laschinger). Oberste-Schemmann findet als unhöfliche Kellnerin ihre Socken in der Suppe von Sarah Christl. Wem das noch nicht merkwürdig genug ist, der wird spätestens mit offenem Mund im Publikum sitzen, wenn Jakob Meisel und René Kardós über ihre chronischen Sprachverwirrungen diskutieren und dabei über die eigenen Sätze stolpern.

Angeleitet wurden die Schüler von Klasse neun bis zwölf von Studiendirektorin Petra Vetter, die seit über 20 Jahren am Leibniz-Gymnasium Regie führt, und Walter Flintsch, der trotz seines Ruhestands auch dieses Jahr wieder die technische Leitung übernommen hat.

Die einstündige Inszenierung wirkt so gar nicht wie ein stereotyper „Schultheaterabend“. Die zwölf Nachwuchsschauspieler auf der Bühne vergreifen sich nie in Ton oder Rhytmus, während sie hanebüchene Alltagssituationen, ins groteske abdriftende Dialoge und tiefschwarze Pointen darbieten. Mit nur wenigen Requisiten, ganz in Weiß gekleidet und geschminkt, konzentrieren sie die gesamte Aufmerksamkeit des Publikums auf ihr bemerkenswert reifes Spiel.

Als roten Faden zwischen den Szenen lässt die Truppe „Henry Pilk“ mit wechselnder Besetzung zu Wort kommen; jenen „satirischen Spontan-Dramatiker, glühenden irischen Patriot kanadischer (!) Herkunft und begnadeten Säufer“, den Campbell einst als Urheber der Geschichten vorgeschoben hatte. Solomon Lindas „The Lion Sleeps Tonight“, weiße Socken, schwarze Hüte und irischer Whisky verweben als Leitmotive die ansonsten völlig eigenständigen Geschichten zu einem großen, herrlich verschrobenen Ganzen.

Ein bisschen zum Verhängnis wird der Premiere, dass sich ihr Termin heuer mit der Altdorfer Musiknacht überschneidet. „Wir spielen seit 25 Jahren immer am Samstag vor der letzten vollen Schulwoche vor den Osterferien. Deswegen sind wir diesmal ohne es zu wissen mit der Musiknacht kollidiert“, bedauert Vetter. Ein bisschen Sorgen bereiten ihr auch das G8 und die in der Folge strafferen Lehrpläne. Dieses Jahr hätten sich deshalb weniger Schüler als früher für die Theatergruppe gemeldet. Angesichts des gelungenen Abends ist zu wünschen, dass die traditionsreiche Truppe trotzdem noch lange am Leibniz-Gymnasium solche Stücke inszenieren wird.
 

3. Aufführung am Dienstag

Die dritte und letzte Aufführung von „Mr. Pilks Irrenhaus“ findet am Dienstag, 8. April, um 20 Uhr in der Theateraula des Leibniz-Gymnasiums Altdorf statt. Telefonische Reservierungen sind über das Sekretariat möglich (09187-409150).


Frank Erik Walter

 
last update : 01.05.2018
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