"Rabenschwarz"
... so sollen also die Machenschaften eines jungen, vermögenden Einzelgängers sein? Er, der doch so melancholisch und kultiviert scheint, wenn er - offenbar überzeugter Junggeselle - auf seinem einsamen Landsitz der Poesie frönt und sich von seiner mütterlichen Haushälterin umsorgen lässt. Etwas außergewöhnlich mag allenfalls die Beziehung zu einer Rabenschar anmuten, die ihn nicht nur außerhalb des Hauses umgibt und auffällige akustische Akzente in sein stilles Dasein bringt. Dennoch sieht er sich bald mit unglaublichen Vorwürfen, Forderungen und Angeboten konfrontiert, als völlig unerwartet seine letzte lebende Tante in seine Idylle eindringt und mit ihrem Besuch nicht nur ihren Neffen in ein neues Licht rückt. Zusammen mit ihrer von der Natur nicht gerade begünstigten Tochter und einem geheimnisvollen Leibwächter sorgt sie für eine zunehmende Reizbarkeit des jungen Mannes, die auch dessen symbiotische Gemeinschaft mit seiner Haushälterin vor neue Herausforderungen stellt und schließlich zu einer überraschenden Wende führt.
Die immer neue Diskrepanz zwischen Schein und Sein, auf der das Geschehen wesentlich basiert, verbirgt sich hinter absurden, komischen und nicht zuletzt auch spannenden Elementen, die in erster Linie das Publikum zu unterhalten vermögen. Doch bietet das Stück auch die Gelegenheit zu überdenken, was hinter mancher Fassade versteckt liegt, die auf den ersten Blick gar glatt und freundlich erscheint. Oder - anders ausgedrückt - dass gut und böse sich erst aus ihrer Wechselbeziehung entwickeln.
Die derzeitige Theatergruppe ist das Ergebnis einer starken "Häutung": nur ein Spieler bringt intensivere Sprechrollenerfahrung aus dem Vorjahr mit, drei der weiteren vier Sprechrollen haben schon einmal in dieser Gruppe in kleineren Partien gespielt, alle "Raben" sind Neu-Mitglieder in der "großen" Theatergruppe, haben aber in den Vorjahren in der Unter-/Mittelstufengruppe Erfahrungen sammeln dürfen und dabei ihr Herz für die Bühne entdeckt. So gelingt es uns auch heuer - trotz der widrigen Umstände des gut gefüllten Stundenplans und der Anforderungen des 8-jährigen Gymnasiums - mit einer hoch engagierten und motivierten Gruppe zur Aufführung zu gelangen. Und dass gerade das Spielen ohne eigenen Text eine Herausforderung an Konzentration, Kreativität und Spielwitz ist, muss dabei sicher nicht betont werden.
P.V.