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  2010

 
 
 

 
Die Kleinbürgerhochzeit
Berholt Brecht
Premiere:
Sa.  12.12.2010   20:00 Uhr

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   Das ist er also, der schönste Tag im Leben eines jungen Brautpaares: Familie und Freunde sind versammelt, man feiert miteinander den Beginn des neuen, gemeinsamen Lebensabschnitts. Es wird aufgetischt, was das Familienbudget nur irgend hergibt, Musik und Tanz sorgen für ausgelassene Stimmung …    wären da nicht die kleinen Trübungen:

    die ewig nörgelnde Stimme der Bräutigamsmutter, das nicht nur sich gegenseitig angiftende ungleiche Schwesternpaar aus der Nachbarschaft, die frühreifen Blumenkinder, die schwerhörige Großmutter der Braut, die erotisch fixierte Schwester und ihr unerfahrenes Opfer, der ach so galante beste Freund des Bräutigams und natürlich der schwadronierende Brautvater, der zu jedem Stichwort eine "Anekdote" zu erzählen weiß. Nicht zu vergessen, der schon einige Monate herangereifte Anlass der überhasteten Hochzeit, den die Braut gar zu gern unter ihrem weißen Kleid verborgen wissen möchte und der den - zumindest in diesem Metier nicht sonderlich bewanderten - Bräutigam dazu veranlasst hat, einen Hausstand mit eigener Hand zusammenzuzimmern.

    Brecht hatte offenbar trotz seiner Jugend - er schrieb den grellen Einakter mit 21 Jahren noch vor seiner Konzeption des epischen Theaters - bereits einen geschärften Blick für die Nuancen zwischen kleinbürgerlicher Hoffnung und Enttäuschung. Schonungslos entlarvt er die zur Schau gestellte Moral ebenso wie die verordnete Fröhlichkeit, die nicht nur dem Brautpaar an diesem Tag so wichtig sind. Man braucht gar nicht viel vom Lack abzukratzen, um hinter der angestrengten Fassade auf Missgunst, Böswilligkeit und Triebhaftigkeit zu stoßen. Das mühsam zusammengeleimte Harmoniegebäude dünstet unablässig den Mief bloß vordergründiger Sittsamkeit aus und zerbricht im wörtlichen Sinne mit jedem der vom Bräutigam selbst gebastelten Möbelstücke. Einzig dem Brautpaar räumt er letztlich vielleicht doch noch eine Chance ein, wenn er sie in die private Zweisamkeit ihres maroden Schlafzimmers mit einem Kichern entlässt.

    Die Tatsache, dass die Leibniz-Theatergruppe mit dieser Produktion bereits die zweite Inszenierung im laufenden Jahr präsentiert und damit vom üblichen Aufführungstermin vor Ostern abweicht, entspringt allein den Erfordernissen des diesjährigen Doppel-Abiturjahrs. Auch die deutlich kondensierte Gruppenstärke ist wohl den veränderten Anforderungen geschuldet, die manches Talent davon abhält, seine Kräfte in etwas so Zeitaufwändiges wie die Theaterarbeit zu investieren. Schade - aber sehr wohl verständlich! Umso höher ist es einzuschätzen, dass der verbliebene Rest hartnäckig und ohne die verdiente Kreativpause nach der letzten Aufführung sofort neu eingestiegen ist, um das Theater am Leben zu halten.


P.V.


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Es spielen:
Maria, Braut  Hannah Trautmann
Q12
Jakob, Bräutigam  Jorit Oberste-Schemann
Q11
Mutter, des Bräutigam  Bella Köpke
Q12
Vater, der Braut  Sebastian Kögel
K14
Großmutter, der Braut  Nina Renner
K13
Ina, Schwester der Braut  Sarah Samson
K13
Frau Minna, Nachbarin  Kathrin Fröhlich
K13
Frau Dora, ihre Schwester  Sile Bojer
K13
Max, Freund des Bräutigams  Ben Westerath
10c
Franz Miltner  Philipp Link
10e
zwei Blumenkinder  Lydia Böckelmann
Nina Schultz
K13
10g
 

 
Es wirken
mit:
Souffleur  Freddy Zöls
Q11
Licht und Ton  Max Huber
Christian Kugler
Leon Schuster
Lisa Schöttner
Q12
Q12
8a
7d
Frisuren  Frau Ina Middlemiss

Plakat  Sile Bojer
Q12
alle übrigen Bereiche  alle in Zusammenarbeit

 

 
Leitung:
technisch Leitung  Walter Flintsch

Regie  Petra Vetter

 

 

Wir danken für den kostenlosen Druck der Plakate:
Herrn Ulrich Bollmann & Team, "Verlag der Bote",

 
last update : 01.05.2018
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