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  2003

 
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gombro.jpg Der Autor:      Witold Gombrowicz
 
geboren 1904 im Gutshof Maloszyce/Opatow Polen.
Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Warschau und Paris Referendar am Gericht in Warschau.

Erste Veröffentlichung 1933: "Erinnerungen aus der Zeit der Unreife" (Erzählungen).

1935 erscheint, nicht beachtet von der Kritik und von keiner Bühne angefordert, sein Stück "Yvonne, die Burgunderprinzessin" in der Zeitschrift "Skamander". Zweiundzwanzig Jahre später, zur "Tauwetter"-zeit 1957, wird das Stück in Krakau zum ersten Mal gespielt und findet überwältigende Aufnahme, ebenso auch die erste westeuropäische Aufführung in Paris 1965.

1937 erscheint der Roman "Ferdydurke", der Autor trägt die Hälfte der Druckkosten, widersprüchliches Echo. Bruno Schulz setzt sich für den Roman ein.

1939 landet Gombrowicz als Passagier der Jungfernfahrt eines Schiffes in Buenos Aires, vorgesehen ist ein Aufenthalt von wenigen Tagen. Er bleibt bis 1963, wohnt in kleinen Hotels und schreibt unter Decknamen für argentinische Zeitungen und Zeitschriften.

Von 1947 bis 1955 arbeitet er als Sekretär bei der Polnischen Bank.

Es erscheinen Erzählungen, Romane ("Trans-Atlantik", "Verführung"), Schauspiele ( "Die Trauung" 1963, "Operette" 1969 - surrealistische Traumspiele wie "Yvonne" ) und Tagebücher.

1957 werden in Polen mit Ausnahme der Tagebücher alle Werke gedruckt und sind schnell vergriffen.

Erster westeuropäischer Hinweis auf Gombrowicz in der Zeitschrift "Preuves", Paris, dort auch erste Übersetzungen aus Werken.

1958 erscheint "Ferdydurke" in deutscher Übersetzung.

In Polen sind ab 1958 alle Schriften Gombrowiczs wieder verboten.

1963 Einladung der Ford-Stiftung für ein Jahr in West-Berlin.

1967 Internationaler Literaturpreis der Verleger.

Gombrowicz stirbt 1969 in Vence, Frankreich.

 
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  Das Stück:      Yvonne - die Burgunderprinzessin

Witold Gombrowicz fasst sein Stück selbst in folgender Weise zusammen:

1. Akt
Prinz Philipp verlobt sich mit der unappetitlichen Yvonne, denn er fühlt sich durch den verheerenden Anblick dieses Mädchens in seiner Würde verletzt. Zudem will er als Freigeist nicht dem natürlichen Ekel gehorchen, den diese unangenehme Person in ihm auslöst. König Ignaz und Königin Margarethe willigen aus Furcht vor dem Skandal, mit dem Philipp ihnen droht, in die Verlobung ein.

2. Akt
Es geschieht, dass Yvonne sich in den Prinzen verliebt. Von dieser Liebe überrascht, fühlt sich der Prinz verpflichtet, darauf als Mensch und Mann zu reagieren. Er wünscht, er könne sie seinerseits lieben.

3. Akt
Die Anwesenheit Yvonnes am Hof verursacht sonderbare Verwirrungen. Die Verlobung des Prinzen löst Spott und Klatsch aus.

Yvonnes Schweigen, Wildheit, Passivität bringen die Königsfamilie in eine schwierige Lage. Yvonnes natürliche Unzulänglichkeiten entfesseln gefährliche Ideenverbindungen, denn jeder findet darin so etwas wie eine Spiegelung von Unvollkommenheiten der eigenen Person und auch der anderen.

Eine Epidemie ungesunden Lachens sucht den Hof heim. Der König entsinnt sich seiner alten Sünden. Die heimlich wie besessen schreibende Königin kann sich nicht mehr verbergen, kann sich nicht verhehlen, wie entsetzt sie über ihre Gedichte ist, die, so entdeckt sie, Yvonne gleichen.

Absurde Verdächtigungen kommen auf. Die Dummheit und der Unsinn greifen um sich. Jeder spürt es, auch der Prinz, doch weiß er nicht, was er tun soll. Er fühlt sich selbst hinsichtlich Yvonnes absurd. Wie könnte er sich da noch verteidigen? Er meint, einen wirksamen Gegenschlag zu tun: er umarmt öffentlich eine Hofdame und verlobt sich mit ihr, nachdem er mit Yvonne gebrochen hat. Doch ein wirklicher Bruch ist nicht möglich, er weiß, dass Yvonne immer an ihn denken und sich auf ihre Weise das Glück des jungen Paares vorstellen wird. Yvonne hat ihn in ihrer Macht. Er beschließt, sie zu töten.

4. Akt
Der König, der Kammerdiener, die Königin, der Prinz versuchen jeder auf eigene Faust, Yvonne zu töten. Doch sie direkt zu töten, übersteigt ihre Kräfte: der Akt erscheint zu dumm, zu absurd, kein formeller Grund rechtfertigt das, die Konventionen sprechen dagegen.

Die Bestialität, die Wildheit, die Dummheit und der Unsinn wachsen unaufhörlich. Auf den Rat des Kammerdieners beschließen sie, den Mord zu organisieren und zugleich den Anschein der Majestät, der Eleganz, der Überlegenheit zu wahren. Es wird ein Mord von oben sein und nicht mehr von unten. Das Unternehmen gelingt. Die Königsfamilie kommt wieder zur Ruhe.

 
last update : 01.05.2018
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