Lysistrata – das ist ein Haufen streitbarer Frauen, der hinter der gleichnamigen Anstifterin steht, um gegen die Männer Front zu machen.
Doch so kriegerisch sich dieses Vokabular anhört, so gegensätzlich ist die Absicht, die sich dahinter verbirgt:
Streitbar sind die Frauen nur deshalb geworden, weil sie mit ihrer bisherigen Nachsicht gegenüber den Männern erfolglos blieben. Eine Anstifterin haben sie nötig, damit sie sich überhaupt getrauen, ihr gemeinsames Ziel zu verfechten, weshalb sie sich auch zu einem - eher informellen - Haufen zusammentun müssen. Und das, wogegen sie Front machen, ist nichts Anderes als der Krieg selbst – der Krieg, den ihre Männer mit viel Lust und Ausdauer seit Jahren betreiben, worein sie alles Geld und insbesondere alle Kraft und Zeit investieren.
Und vor allem Letzteres erscheint den Frauen und Mädchen mehr als unbefriedigend. So ist es denn nicht nur hehrer Pazifismus, sondern eine gute Portion Eigennutz, die sie dazu veranlasst, die Männer die Folgen ihres Tuns am eigenen Leib drastisch verspüren zu lassen. Mit der Beschlagnahmung des Staatsschatzes schneiden sie ihnen die Mittel ab, um sie - gleichzeitig und vor allem - mit ihrem unbefristeten Liebesstreik solange unter Druck zu setzen, bis die Not die Männer zur Einsicht - und damit zum Frieden - zwingt. Selbstredend, dass den Frauen das weiß Gott nicht immer leicht fällt.
Doch Lysistratas zäher Durchhaltewille und der sichtbare Erfolg ihrer Methoden schweißen sie immer wieder zusammen, so dass am Ende doch alle davon profitieren.
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Zur Inszenierung:
Zwar spielt Aristophanes’ Stück vor knapp zweieinhalbtausend Jahren, auch hat es als historischen Hintergrund die Peloponnesischen Kriege und als Personal AthenerInnen, SpartanerInnen, ThebanerInnen usw., die die Akropolis besetzt halten, doch geht es uns nicht darum, diesen historischen Bezug abzubilden. Genauso wenig ist es aber unsere Absicht, durch eine radikale Modernisierung, die gesamte Problematik auf ein "Hier und Jetzt und Heute" zu verengen.
Vielmehr wollen wir mit einer auf Wesentliches reduzierten Umsetzung deutlich machen, dass im Verhalten der Geschlechter bestimmte Grundmuster alle Modeerscheinungen überdauern und immer wieder zu einem konfliktträchtigen, damit aber auch spannenden und reizvollen Mit- und Gegeneinander führen, das beileibe nicht immer über die Vernunft zu steuern ist.
Sicher ist, dass dies nicht ohne Klischees und Überzeichnung abgehen kann. Sicher ist auch, dass das Geschehen von eindeutig Zweideutigem im Wortspiel wie in der Darstellung lebt und damit Aufgeschlossenheit bei SpielerInnen wie Publikum voraussetzt, um Aristophanes’ satirischer Schärfe und Menschenkenntnis gerecht werden zu können.
P.V.