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Aristophanes "Lysistrata" am Leibniz-Gymnasium "WIR FRAUEN, WIR SIND NUR NICHTSNUTZIGE SCHLAMPEN ..." (aus: "Der Bote" vom 27.03.2002) Nach eineinhalb Stunden abwechslungsreicher attischer Komödie war der Gegenbeweis erbracht: Solidarität und List der Frauen führte zum Kriegsende und zum Sieg über die Männer. Die Theatergruppe des Leibniz-Gymnasiums unter der Leitung von OStRin Petra Vetter führte in einer beeindruckenden Ensemble-Leistung "Lysistrata" von Aristophanes auf. Kannte man die Vorliebe des griechischen Komödiendichtes für Überzeichnung, Drastik und pralle Lebenslust, so wurde man an dem Abend nicht enttäuscht, war allemal überrascht von dem offenen, unverkrampften Umgang selbst der jüngeren Akteure mit der Thematik. Die Inszenierung verzichtete auf aufwändige Requisiten, setzte statt dessen auf Tempo, Sprache und Körperausdruck der Theatertalente aus der 9. bis 13. Klasse. Die eigens von Konstantin Voigt komponierte Theatermusik wirkte durch ihren sublimen und treffsicheren Einsatz (technische Leitung: StD Walter Flintsch). Mittels einer Flugblattaktion - die Pamphlete regnen von den "Zinnen der Akropolis" - will Lysistrata (Nina Stückler, die durch sprachliche Qualitäten und Bühnenpräsenz beeindruckt) Frauen um sich versammeln, den Grund dafür verrät ein zweideutiges Wortspiel, das so manche Sinne der Nachbarin Kalonike (Claudia Gaertner mit vorzüglicher Mimik und Körpersprache) schärft. Nach Ankunft aller Frauen, selbst aus dem feindlichen Sparta ist Lampito (Swantje Paprotta hätte auch ohne den perfekt nachgeahmten hessischen Dialekt als Frohnatur überzeugt) herbeigejoggt, versichert sich Lysistrata zunächst der Solidarität und des gemeinsamen Ziels, der Beendigung des seit Jahrzehnten andauernden Krieges, bevor sie ihren entbehrungsreichen Plan eröffnet. Das blanke Entsetzen der Frauen wird durch eine geschlossene schauspielerische Leistung glaubhaft vermittelt. Die Besetzung der Akropolis freilich können die Männer nicht auf sich sitzen lassen: Komik pur der Auftritt des kleinen Häufchens dreier mickriger alter Männer (Dominique Schaefer, Wolfgang Völkl und Julian Peters ersetzen souverän in ihrem Gemeinschaftsauftritt den erkrankten Lars Lubkoll), die durch markige Sprüche ihre Tollpatschigkeit, Schwäche und Angst vor den Frauen zu kaschieren trachten. Ihr halbherziger Versuch, die Burg zu stürmen, wird von der Frauenübermacht mit einem kalten Duschbad vereitelt. Dem zu Hilfe eilenden Probulos (Matthi Döpke hatte spontan die Rolle des ebenfalls erkrankten Frieder Nagel übernommen: eine herausragende Leistung!) ergeht es nicht viel besser. Solche Männer stellen keine Gefahr dar, Gefahr droht aus den eigenen (Frauen-)Reihen. Denn den Frauen fällt es nicht leicht, die auferlegte Askese einzuhalten, eine nach der anderen versucht sich aus dem Staub zu machen. Amüsant gelingt der Auftritt der vermeintlich Schwangeren (Conny Böhner). Die Wirksamkeit des Liebesentzugs zeigt sich in der Begegnung zwischen Myrrhine (Eva Zitta mit ausdrucksstarker Mimik) und Kinesias (Matthi Döpke), in der Myrrhine trickreich ihren Ehemann bis aufs Äußerste aufheizt, um ihn dann "stehen" zu lassen. Lysistrata will offenbar einen eigenen Weg aus dem Dilemma gehen: die Annäherung an Lampito ist nur sehr zaghaft angedeutet. Wie der Auftritt des spartanischen Unterhändlers (Benedikt Stengl) zur Erheiterung des Publikums verdeutlicht, leiden auch die Männer aus Sparta. Das Ziel ist erreicht: nach Verhandlungen versöhnt ein dionysisches Fest die einstigen Gegner. Auf den belehrenden Schlussepilog wird zu Gunsten der Kontinuität der drastischen Komik verzichtet. Wieder sind die Männer die Unterlegenen, müssen sich schließlich völlig erschöpft vor den ausdauernden Leidenschaften der Frauen verstecken, Drakes (Wolfgang Völkl) greift in seiner mitleidserregenden Not zur weißen Flagge und tritt die Flucht durchs Publikum an. Mit einem Riesenbeifall würdigte das Publikum zu Recht die Leistung aller Beteiligten.
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| last update : 01.05.2018 | |||||||||||||||
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