
Der Autor
Asaya Fujita wurde 1934 in Tokyo geboren. Er begann seine Karriere als Bühnenschriftsteller mit dem Stück „Fuji-Sanroku” (Am Fuße des Fuji-Berges) als er am drama department der Waseda-University studierte. 1965 wurde er Hausautor und künstlerischer Leiter der Sanjuninkal-Theatergruppe. Nach 1973 arbeitete er als freier Autor und schrieb Stücke für viele Theatergruppen. Gleichzeitig schrieb und inszenierte er viele Stücke für Kinder- und Jugendtheatergruppen, ebenso für Musical-Bühnen. Asaya Fujita ist Generalsekretär der japanischen Theatervereinigung, Mitglied der Direktionsbehörde der Vereinigung japanischer Theatergruppen und Mitglied der Japanischen Schauspielerorganisation Geidankyo. 1993 stellte er DER TEUFEL BEKKANKO auf dem 5. Ffm. Autorenforum für KiJuTh vor.
[ Quelle: http://www.theaterstueckverlag.de/autoren/showAuthor?autor=Fujita,%20Asaya ]
Zum Stück und unserer Inszenierung:
Bekkanko hat eigentlich nur ein Problem – niemand will bei seinem Anblick erschrecken. Im Gegenteil, sein gutmütig-drolliges Gesicht reizt alle, die seiner ansichtig werden, zum Lachen. Damit aber kann der Teufel seine (gemäß der japanischen Mythologie) wesensmäßige Bestimmung, die Läuterung der Menschen, nicht erfüllen. Einzig das blinde Mädchen Yuki, das er anlässlich des Totenfestes am Grab seiner Mutter betend vorfindet, erschrickt über ihn, oder besser: über ihre Vorstellung von einem Teufel, kann sie doch seine Grimassen nicht sehen.
Wie sich die Geschichte um diese beiden „Randfiguren“ ihres jeweiligen Umfelds entwickelt, sei jedoch vorab nicht verraten. Immerhin soviel: dieses Märchen kommt ohne die gattungstypische Schwarzweißmalerei aus, entlarvt es doch die scheinbare Untat als Glück und zeigt, dass selbst die beste Absicht ins Verderben führen kann.
Gerade die gedankliche Nuanciertheit ist es denn auch, die uns an diesem modernen Märchen (1979 unter der Regie des Verfassers Asaya Fujita in Tokio uraufgeführt) reizt, wo es sich doch so gar nicht in unsere stofflichen und darstellerischen Gepflogenheiten einzureihen scheint:
Japanische Mythologie, Nô-Theater, Kyôgen –Tradition - all das liegt uns nicht gerade nahe und droht viel Einarbeitung zu verlangen. Dazu der scheinbar große Kostümaufwand – immerhin bieten uns eine Reihe interessierter Zuschauer bei der bloßen Ankündigung des Stücks bereits gut erhaltene Kimonos aus ihren privaten Beständen an, was wir aber ohne Überheblichkeit dankbar ablehnen können.
Denn bereits nach dem ersten Lesen steht fest, dass die Inszenierung dieses Stücks keiner folkloristischen Ausgestaltung bedarf. Seine zutiefst menschlichen Erkenntnisse lassen sich sogar weit intensiver transportieren, wenn man auf eine zeitliche und räumliche Zuordnung verzichtet.
So ist zwar die eine Schwierigkeit rasch ausgeräumt, doch ein weiteres „Handicap“ bleibt:
Es gibt nur vier ausgeformte Rollen – wie lässt sich das bei immerhin 27 ambitionierten SpielerInnen realisieren? Als sinnvoll, da wechselseitig inspirierend und entlastend, bietet sich natürlich die Doppelbesetzung der Personenrollen an, verbleiben 19 zum Teil sehr erfahrene, zum Teil neu einsteigende DarstellerInnen, die sich in die anspruchsvolle Aufgabe des Chores teilen, der – ganz im Sinn auch der antiken Tragödie – das Geschehen erläutert, kommentiert und vorantreibt.
Die Herausforderung ist dabei eine vielschichtige:
Zum einen verlangt es der Gruppe ein hohes Maß an Kreativität ab, für sich eine klare Kontur herauszuschälen, ohne sich auf eine individuelle Rollenidentität stützen zu können, zum anderen muss der / die Einzelne sehr viel darstellerische Selbstdisziplin aufbringen, im Bewusstsein, dafür am Ende nicht mit auf seine persönliche Leistung abzielendem Applaus entschädigt zu werden – wenn es gelingt, ein echtes Zeugnis von Reife!
P.V.
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