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  1995

 
 
 

Die chinesische Mauer
eine Farce von Max Frisch

"Heißt dies Geschichte, daß der Unverstand
unsterblich wiederkehrt und triumphiert?"

 

 

Premiere          01.04.1995      20.00 Uhr  


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Max Frisch faßt den Kerngedanken seines 1946 erstmals erschienenen und 1955 neubearbeiteten Stücks in wenigen Worten prägnant zusammen:

"Ein Heutiger, irgendein durchschnittlicher Intellektueller als Teilhaber am heutigen Bewußtsein, tritt den Figuren gegenüber, die unser Hirn bevölkern: Napoleon, Cleopatra, Philipp von Spanien, Brutus, Don Juan, Inconnue de la Seine, Columbus, Romeo und Julia und so fort - um diesen Figuren (das heißt: sich selbst) klarzumachen, daß wir ihre Art, Geschichte zu machen, uns nicht mehr leisten können; sein Wissen freilich, da es selbst nicht Geschichte wird, bleibt ohnmächtig ..." (Akzente 1955, S.390)

Mit den Symbolfiguren Napoleon, Philipp II., Iwan dem Schrecklichen, Cleopatra und wie sie alle heißen mögen, verbindet die Assoziation eines auf Macht, Gewalt und Krieg ausgerichteten Denkens und Handelns. Ihre Reaktionen zeigen, daß der Blick in ihre Zukunft (= unsere heutige Gegenwart), den ihnen der Heutige gewährt, keine aus Erkenntnis resultierende Änderung ihrer Einstellung erwarten ließe. Sie lassen sich ebensowenig eines Besseren belehren wie die Gegenwart bereit ist, aus den schrecklichen Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen.
Und: Macht, Gewalt und Unterdrückung unterliegen einem ewigwährenden Mechanismus, der weder dadurch außer Kraft gesetzt werden kann, daß man seine Hände in Unschuld wäscht, noch dadurch, daß man ihm den puren Lebenshunger oder die zeitlose Liebe entgegensetzt.

Wie kann im Blick auf solch eine bedrückende Erkenntnis überhaupt dennoch mitunter Lachen provoziert werden? Frisch nennt sein Stück eine Farce, er zählt also auf die Entlarvung durch Überzeichnung und Kontrast. Wie sonst auch sonst sollte es zu verstehen sein, daß ein Stummer als "Stiimme des Volkes" gefoltert wird und der intellektuelle "Doktorjur" aufgrund seiner apokalyptischen Warnungen zum Hofnarren des chinesischen Kaisers avanciert? Ein Lachen das nicht befreit, sondern letztlich im Halse steckenbleibt.
P.V.


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Es spielen:
Arzig, Susanne11D   Klemm, Ilja9E
Behr, Britta10C   Kräußel, Melanie12
Betthausen, Frank13   Minet, Steffi9C
Chemnitz, Silvia10C   Müller, Daniel13
Denninger, David11E   Paprotta, Geedo13
Döpke, Sonja13   Pohl, Gabi12
Dörjes, Kristina13   Rieckeheer, Sebastian13
Fricke, Clarissa9F   Rögner, Barbara13
Grauel, Kilian12   Steiner, Silke11E
Grimm, Miriam9F   Tabor, Martin12
Hein, Sonja12   Tittmann, Alexandra13
Hein, Wendy9d   Wilkerling, Meike11e
Hinkes, Benno12   Winkler, Mascha12
Hock, Tanja13   Winter, Julia11A
Kaiser, Martina12   Wirtz, Silke13
 

 
Es wirken mit:
Fritz, Claudia12   Götz, Daniel11D
Grätzel v. Grätz, Katja13   Kälsch, Matthias
Großmann, Kristina13   Kohl, AndreasK12
Bock, VolkerK13   Kohl, Florian11E
 

 
Musik:
Dreyer, Eva10f   Dzikus, Caspar11e
Richwien, Judit11e   Jeschke, Thomas10f
 

 
Musik: Hans Kraus StD
Technik: Walter Flintsch StD
Spielleitung: Petra Vetter StDin
 

 
last update : 01.05.2018
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